Barbados: Die große Koralle heißt uns in der Karibik Willkommen


Nicht viele laufen diese Insel an. Unter Seglern hat Barbados einen schlechten Ruf. Zu unrecht finden wir, denn die Bayans(locals) sind unglaublich nett und hilfsbereit. Und schon wegen diesen humorvollen Menschen lohnt sich die Reise. Wir, die finden, dass vorrangig die Menschen, die man so trifft das Land ausmachen, haben trotz uns eingeredeter Skepsis, Barbados lieben gelernt.


Doch kommen wir mal zu unseren Erlebnissen: Angekommen sind wir ja im Industriehafen von Bridgetown. Der ist voll mit Kreuzfahrtschiffen und die Kaimauer war so hoch, dass man richtig klettern musste um an Land zu kommen. Da standen wir nun zum ersten Mal wieder mit festem Boden unter den Füßen. Doch das „angekommen sein“ verschoben wir noch ein wenig. In frischem Hemd ging es zum Einklarieren. Auf dem Weg wurden wir noch unsere vier Müllsäcke los, die sich in den 18 Tagen so angesammelt hatten. Dann begann auch schon das Prozedere. Zuerst sollten wir zum Health-Office und bestätigen, dass wir weder Tiere noch Krankheiten einschleppten. Getestet wurde nichts, sondern nur immer fleißig „NO“ angekreuzt. Mit einem kleinem Zettel wurden wir dann weiter zum Custums begleitet, wo wir eine ganze Weile warten mussten. Dort deklarierten wir natürlich nicht sämtliche Spirituosen. Der letzte Stop war dann im Immigration Office, wo wir zum hundertsten Mal eine Crewliste ausfüllten und schließlich unseren Einreisestempel entgegennahmen. Der ganze Spaß hat uns nur eine dreiviertel Stunde gekostet, bei der Ausreise fallen jedoch 50 $US an...


Ja die Preise sind hart. Als wir danach gemütlich durch die Dutyfreezone gingen stellten wir beunruhigt fest, dass selbst ohne Steuern, alles mehr als teuer war: Zwar bekommt man zwei local Dollar für einen US-Dollar, aber selbst umgerechnet kostet alles mehr als doppelt so viel, wie gewohnt. Schnell verzogen wir uns in die Ankerbucht, wo haufenweise Atlantiküberquerer lagen. Unser Boot war wie üblich das kleinste. Mit dem Dinghi(Schlauchboot) ging es an Land und ab ins Internet. Ankern, Dinghisteg und WIFI alles kostenlos, immerhin. Hunger kam auf, doch die Preise bestürzten uns. Also irrten wir durch Bridgetown. Als mein FlipFlop riss begleitete uns sogleich eine Einheimische zum nächsten Laden, obwohl wir sie nur gefragt hatten wo es sowas gäbe und sie ihren eigenen Stand zurückließ. Super nett. Mit neuen Latschen ging es dann weiter auf Essensjagd. Wir beobachteten immer wieder Einheimische mit Gerichten in Plastikkartons. In allen möglichen Bars, aber auch am Kofferraum von Vans wurden so verschiedene Speisen verkauft. Wir hatten irgendwelche typische gelben Gemüsenudeln, matschiges Mac&Cheese und dazu lecker würziges Hühnchen. Das war nicht unbedingt der Traum, nach der Zeit auf See, aber es war mal was neues und bezahlbar. Trotzdem verlief der erste Tag wie üblich noch ein wenig mürrisch und wir vielen früh ins Bett.


Auch den nächsten Tag brauchten wir noch für Erholung. Also werkelten wir ein bisschen am Boot und brachten unsere Erlebnisse zu Papier. Wir waren auf eine deutsche Yacht gestoßen, die ein paar Tage vor uns die Kap Verden verlassen hat und gingen mit ihnen abends gemütlich in eine Bar zusammen mit noch einem deutschem Pärchen. Da genossen wir endlich den leckeren Rumpunsch, laut Segelguide eine der größten Gefahren hier. Schmeckt einfach köstlich, haut aber rein. Es wurde ordentlich geschnackt, über alles mögliche, nicht nur über das Segeln. Nach einem letzten Absacker in unserer Beachbar am Ankerplatz verabschiedeten wir uns von Ansgar und Katja. Doch wir hatten Kontakt zu den andern geknüpft, was sich noch als Gold wert rausstellen würde.


Doch den nächsten Tag verbrachten wir wieder zu zweit. Wir wollten die Insel mit dem Bus erkunden. Doch das gestaltete sich gar nicht so einfach. Einen Busplan gibt es nicht, Abfahrtszeiten schon, die werden aber nicht eingehalten. So warteten wir eine halbe Ewigkeit, nur um dann doch in einen anderen Bus, in eine ähnliche Richtung zu nehmen. Der Spaß kostet für jede Fahrt 2$Bd, auch wenn man eine dreiviertel Stunde durchs Land fährt und auf einmal irgendwo an der Ostküste landet. Dort meinte der Busfahrer zu uns, entweder aussteigen oder nochmal bezahlen und wieder zurückfahren. Wir stiegen aus, mitten im nirgendwo. Doch keine 20 Meter gelaufen, wurden wir auch schon angeschnackt. Kurz drauf pressten wir uns mit zwei JamaikanerInnen und einem local in deren winziges Auto und sie ließen uns in dem Ort raus, wo wir eigentlich hin wollten: Bathsheba. Dort gab es traditional Fries, also nicht ausreichend frittierte Pommes, am Strand, dazu ultra scharfe Soße. Leider kamen wir nicht an eine Trinknuss(unreife, grüne Kokosnuss voll mit Kokusnuswasser). Palmenklettern war doch schwieriger als gedacht.



 Zurück ging es in einem untermotorisierten Minivan, in den sich noch ganze Schulen mit reinquetschten. Mühsam quälten wir uns so zurück nach Bridgetown stießen dabei dicke blaue Wolken aus. Trotzdem gefiel es uns in den Zuckerrohrfeldern und mit all den exotischen Pflanzen. Auch wenn wir viele der einheimischen Früchte probierten, so schmeckten nur wenige davon. Rausgelassen wurden wir schließlich irgendwo in Bridgetown und man zeigte uns grob eine Richtung, die falsch war. Aber so entdeckten wir ein paar local Minimärkte in denen es nicht ganz so teuer war und schon bald stürzten wir uns an Bord über Burger her.


Denn Nahrung war irgendwie eine Mangelware geworden. Das Schiff gibt nicht mehr viel her und kaufen macht auch nicht mehr so viel Spaß. So fiel manchmal, nach einem langem Tag, das Essen einfach aus, weil wir uns um nichts gekümmert hatten.. und einfach schnell was kaufen würde den Rahmen sprengen. Also kauften wir ein paar erschwingliche Mahlzeiten und fingen an vorzukochen. Gerade für den Tag Surfen, zu dem wir uns mit Chris und Franzi verabredet hatten schien das sinnvoll. Doch erstmal musste wieder geschrieben werden. Denn die Anfragen zu Artikeln, Blogeinträgen, Bildern und Statements häuften sich. Auch bedanken wir uns bei den netten Menschen, die uns über unseren Schenkungslink einen Überfahrtsglückwunsch überwiesen hatten. Nachdem wir den Vormittag in die Tasten gehauen hatte ging es also endlich an den Strand. Auf uns wartete perfekt hellblaues, klares Wasser, feiner Sand und schöne Wellen.




Chris, der seit Jahren immer wieder herkommt und sich dementsprechend auskennt und auch surfen kann, gab uns seine Bretter und wir stürzten uns ins Gefecht. Wir kämpften uns gegen die Wellen raus zu den Surfern und setzten uns auf die wackligen Bretter. Die Bedingungen waren eigentlich optimal, wurde uns erklärt. Kein Wind, keine Strömung, vernünftige Welle und keine Gefahren. Nur bedeutete das nicht, das wir surfen konnten. Anpaddeln, rutschen und gleiten hat aber auch schon viel Spaß gemacht. Gerade mit dem Bodyboard war das richtig chillig, wenn man nicht immer wieder raus paddeln müsste. Natürlich probierten wir auch aufzustehen, was aber meistens mit einem lauten Klatschen wieder endete. Uns fehlten wohl die 10 Jahre Erfahrung um auf diesen kleinen Brettern zu surfen. Spaß hatten wir trotzdem, denn Surfen macht einfach glücklich. Vor allem auf Barbados: Man sitzt im warmen, klaren Wasser und guckt aufs Meer hinaus(was wir eh gerne machen). Und wenn denn ein paar Wellen kommen hat man auch noch viel Spaß und eine Nervenkitzel, während man auf das mit Palmen geschmückte Ufer zugeleitet. Genial. Doch das hat seinen Preis. Ohne Neo, oder Lycra schupperten wir unsere Oberkörper ordentlich auf. Doch wir trugen den Schorf, wie Narben des Kampfes in die nächste Bar und stillten den Schmerz mit kaltem Bier.


Chris und Franzi luden uns den Abend ein und es gab direkt am Strand noch ein paar typische Snacks, wie zum Beispiel Fishcakes, sehr lecker. Völlig fertig, aber übers ganze Gesicht grinsend fielen wir ins Bett und schliefen sofort ein. Für den nächsten Tag waren wir wieder verabredet. Wir fuhren mit ihrem Leihwagen von einer Traumbucht zur nächsten und vergnügten uns stundenlang in großen shorebreak Wellen. Dabei wurden wir mächtig umher geschleudert. In den Wellen purzelte man unkontrolliert durch die Gegend und tauchte lachend wieder auf. Manchmal konnte man sich sogar in eine Tube reinwerfen. Das war schon cool. Mittags gab es dann bei Chris und Franzi zu Hause nach dem Song von Jack Johnson: Bananapancakes zur Stärkung und es ging noch kurz mit den Brettern aufs Wasser. Uns begegneten den Tag sogar wilde Affen und riesige Schildkröten. Wir kennen jetzt viele gute Spots von Barbados und haben durch das Auto auch ordentlich was gesehen, nur surfen können wir noch nicht. Aber wir haben Feuer gefangen und wenn uns zufällig mal jemand ein Brett anbietet, können wir wahrscheinlich kaum ablehnen. Wieder stillten wir unseren Durst in der Beachbar mit dem leckerem örtlichem Bier „Banks“ und besuchten danach mal die Chefette, eine Art Fastfoodkette, die aber ziemlich leckere Sachen anbietet, zum Beispiel Rotis, eine Art indischer Wrap mit verschieden Füllungen, den man hier ist.



Wie gesagt, die Bajans und ihre Insel sind einfach klasse. Immer wollen sie mit einem reden und dabei haben sie auch noch Humor. Auch mit unserem noch nicht so tollem englisch war das kein Problem. Sie lassen einen aber auch in Ruhe wenn man gerade keine Trinknuss mit so viel Rum wie man will kaufen wollte. Meistens konnten sie uns gut weiterhelfen. Dazu kommt noch das sie mega cool aussehen. Kleidungsstil und Frisuren waren unglaublich vielseitig und ziemlich schick. Sowieso war man meistens gut angezogen, während die Touristen alle in Badehose und Hawaiihemd rumlaufen. Auch Barbados macht was her. Selbst wenn es auf Segler noch wenig eingestellt ist, lohnt es sich auf jeden Fall diese Insel mitzunehmen.



Besonders interessant ist es, dass Barbados die einzige Insel der Karibik ist, die nicht vulkanisch ist, sondern eine riesige Koralle über Wasser. Wie als wäre das mal eine untergegangene Stadt gewesen.
Wir treffen jetzt die letzten Vorbereitungen und gehen heute Abend noch zum Fischmarkt in Oistins(freitags!!) uns von Chris und Franzi verabschieden und ordentlich bedanken, denn sie haben uns diese tolle Insel so nahe gebracht. Da soll ordentlich die Post abgehen. Dann wollen wir die Überfahrt nach Grenada antreten und uns von dort aus Insel für Insel in den Norden hoch „arbeiten“. Bis wir uns ende April wieder aufmachen werden, zurück in die Heimat. Jetzt heißt es erstmal wieder ¡Andiamo!


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